
03.10.2026 –
Unsere Nationalfarben, was sagen sie uns eigentlich? Für welche Werte stehen sie? Was verbinden wir mit „Schwarz-Rot-Gold“?
Um sich dieser Frage zu nähern, kann man natürlich zum nächsten Fußball-Länderspiel gehen. Für einen tieferen Blick jedoch lohnt es sich in unsere Geschichte einzutauchen. Offizielles Symbol für einen deutschen Staat wurde diese Trikolore zum ersten Mal beim ersten Versuch des Parlamentarismus auf deutschem Boden, der Nationalversammlung 1848 in der Frankfurter Paulskirche. Dort musste man erst einmal die Frage beantworten, was ist eigentlich deutsch? Wilhelm Jordan, ein Abgeordneter der Nationalversammlung fand 1848 dort eine heute noch liberal klingende Definition: „Alle, welche Deutschland bewohnen sind Deutsche, wenn sie auch nicht Deutsche von Geburt und Sprache sind.“
Der deutsche Nationalstaat sollte gerade kein herkunftsabhängiges Volksgebilde, sondern ein moderner Verfassungsstaat werden, der Menschen auf Basis gemeinsamer Normen und Werte eine Heimat bot, nicht nach deren Herkunft fragt. Die Visionäre von Frankfurt waren von den Idealen der französischen Revolution und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung inspiriert. So schrieb der spätere linke Frankfurter Abgeordnete Wilhelm Zimmermann bereits 1843: „[…] wo die Gesetze so weise sind, daß die Würde des Menschen in allem aufs höchste geachtet wird, da ist die meiste Freiheit.“ Die Einsicht, dass Freiheit die bedingungslose Achtung der Menschenwürde voraussetzt, sollte noch 100 Jahre brauchen, um sich in Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes niederzuschlagen.
Die deutschen Emigranten, die nach dem Scheitern der Revolution 1849 in die Vereinigten Staaten auswanderten, die „Forty-Eighters“, lebten ihre Ideale in der Neuen Welt weiter. Persönlichkeiten wie Friedrich Hecker traten dafür auch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ein. Die erste deutsche Nation wurde in Einheit mit demokratischen Nachbarn gedacht, ein Wertebündnis, das man später den „Westen“ nennen sollte. Leider währte dieser Traum nur einige Monate. Mit den Worten: „Gegen Demokraten, helfen nur Soldaten“ ließ der Preußische König das erste demokratisch gewählte Parlament auf deutschem Boden auseinandertreiben. „Schwarz-Rot-Gold“ wurde später von einem völkisch definierten Obrigkeitsstaat unter preußischer Führung unter „Schwarz-Weiß-Rot“ abgelöst. Der Traum einer freien Demokratie auf deutschem Boden lebte weiter. Die Verteidiger der Demokratie von Weimar organisierten sich unter dem Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“. Erst nach zwei schrecklichen Weltkriegen konnte nach den Idealen von Frankfurt eine deutsche Demokratie errichtet werden. Das westliche Wertebündnis wurde für einen Teil der Deutschen Realität. Das Grundgesetz enthält bemerkenswert klar definierte humanitäre Bekenntnisse. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ enthalten kein Aber. Die Verfassungsmütter- und -väter stellten Grundwerte unter keine Bedingungen. Erst später kamen einschränkende Bedingungen hinzu. Gerade beim Thema Asyl entfernen wir uns Schritt-für-Schritt von der bedingungslosen Humanität dessen wofür Menschen unter dem Banner „Schwarz-Rot-Gold“ gekämpft haben. Unsere Werte sind nie selbstverständlich, wir müssen gerade heute deutlich dafür einstehen.
Seit dem 3. Oktober 1990 gilt das Grundgesetz für ein geeintes Deutschland. Die Einheit im Einklang mit anderen humanitären Demokratien, in einem freien Europa unter Achtung der Würde und Gleichheit aller Menschen, dafür treten wir auch heute ein. Dieser Antrieb gehört für uns als Grüne zum politischen Grundkonsens.
Wer für völkische Exklusivität in Konkurrenz zu anderen Ländern steht, der steht nicht für das demokratische Deutschland, der steht für „Schwarz-Weiß-Rot“. Wer für Gleichberechtigung, internationale Offenheit, Humanität, Demokratie und Rechtsstaat steht, der möge dies unter den Farben „Schwarz-Rot-Gold“ tun, mit uns Grünen an der Seite.
Großröhrsdorf, den 03. Oktober 2026