BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Bautzen - Budyšin

PRESSEMITTEILUNG

Konstruktive Lösungen statt Top-Down-Planung: Grüne fordern Berücksichtigung der „Bürgertrasse" in Großröhrsdorf

17.06.2026 –

 

Großröhrsdorf, 14. Juni 2026 – Die notwendige Erweiterung der Stromnetze für die Dresdner Chipindustrie ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, darf aber nicht zu Lasten der Gesundheit und Lebensqualität der Menschen in Großröhrsdorf gehen. Dass der Unmut in der Bevölkerung groß ist, zeigte sich am vergangenen Donnerstagnachmittag, als rund 50 Bürgerinnen und Bürger mit Plakaten und Bannern gegen die aktuelle Planung von 50Hertz demonstrierten. Bündnis 90/Die Grünen stehen hinter den Protestierenden und fordern eine echte Auseinandersetzung mit den Alternativvorschlägen der Betroffenen.

Das Vorgehen der lokalen Initiative ist beispielhaft: Kein grundsätzliches Dagegen, sondern lösungsorientiert eine darstellbare Alternative: die  mit vollem Recht so benannte „Bürgertrasse". Dieser fundierte Vorschlag sieht vor, die Leitung in einem weiteren Bogen westlich der Wohnsiedlung am Krohnenberg zu führen, um ausreichende Abstände zur Wohnbebauung zu gewährleisten. Reinhold Herschel, Kreisverbandvorstand Bündnis 90/Die Grünen Bautzen, betont: „Die Energiewende und der industrielle Aufstieg Sachsens sind essenziell, aber sie dürfen nicht auf dem Rücken der Bürgerinnen und Bürger ausgetragen werden. Die Initiative in Großröhrsdorf zeigt mit ihrer ‚Bürgertrasse', dass es Lösungen gibt, die sowohl den Strombedarf decken als auch die Lebensqualität vor Ort schützen. Wir fordern 50Hertz auf, diesen konstruktiven Dialog endlich ernst zu nehmen."

Kritisch bewerten die Grünen die aktuelle Argumentation des Netzbetreibers, die „Bürgertrasse" aus wirtschaftlichen und umweltfachlichen Gründen abgelehnt zu haben, während die Vorzugsvariante teilweise nur 40 Meter von Wohnhäusern entfernt verlaufen soll. Hier stehen nicht nur Immobilienwerte auf dem Spiel, sondern vor allem gesundheitliche Bedenken hinsichtlich der Feldstrahlung, die Bürgermeister Stefan Schneider insbesondere für Familien mit Neugeborenen am Krohnenberg hervorhebt. Dr. Hans-Martin Rothe, Stadtrat in Pulsnitz und Kreisrat im Bautzener Kreistag, warnt vor den Folgen möglicher Ignoranz: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie aus verschiedenen Anliegen eine gemeinsame, sachliche Lösung herausgewachsen ist. Die ‚Bürgertrasse' ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement. Wir müssen verhindern, dass Planungsverfahren durch die Missachtung von Alternativvorschlägen unnötig blockiert und rechtlich angefochten werden."

Die Grünen unterstützen die Entscheidung der Stadtverwaltung, die alternative Streckenführung im kommenden Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren mit anwaltlicher Unterstützung bei der Landesdirektion Sachsen einzubringen. Es kann nicht sein, dass ein „objektiver Alternativenvergleich" die berechtigten Sorgen der Menschen und die konkreten Verbesserungsvorschläge einer ganzen Stadt einfach beiseite wischt, wenn nicht gravierende sachliche oder juristische Argumente ins Feld geführt werden. 

Wir fordern den Netzbetreiber 50Hertz auf: Hören Sie hin! Echte Bürgerbeteiligung bedeutet mehr als nur die Präsentation fertiger Pläne in einer Festhalle – sie bedeutet die ernsthafte Prüfung von Alternativen, die das Gemeinwohl und den Schutz unserer Lebensräume in Einklang bringen. Nur durch eine partnerschaftliche Planung können wir die notwendige Infrastruktur mit der Akzeptanz der Bevölkerung gestalten.

Bündnis 90/Die Grünen hat ihre Landtags- und Bundestagsabgeordneten für diese Situation sensibilisiert und mobilisieren auch von der Seite Unterstützung.