BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Bautzen

Kommentar zum Strukturwandel

Fantasien statt nachhaltigem Bauen

31.01.2026 –

 

von Siegfried Kühn, Dipl. Ing. Maschinenbau
Mitglied im Kreisverband Bautzen

Wir alle kennen sie, die Geschichten von Lottomillionären, die schon nach kurzer Zeit pleite sind oder gar auf einem Berg von Schulden sitzen. So ganz ähnlich scheint es in Sachsen zu sein, das Milliarden für einen Strukturwandel nach dem Kohleausstieg bekommt. Wenig ist zu hören von zukunftsweisenden Projekten, die tatsächlich etwas mit „Wandel“ zu tun haben. Das Geld floss überwiegend in Maßnahmen, die unter dem Begriff „weiter so“ einzuordnen sind und für die Kommunen laufende Haushaltmittel hätten verwenden müssen. Man hört, dass die Millionen auf diese Weise bereits zum überwiegenden Teil vertan sind. Dies kann auch nicht verwundern, wenn man die Kasse jenen überlässt, die einem überkommenen Weltbild verhaftet sind und denen unter dem Begriff Nachhaltigkeit so gar nichts einfallen will.

Indes wabern weiter die Fantasien von einem großen Wissenschaftszentrum für Bauforschung durch das Lausitzer Land, für das die Entscheidungsträger auch mal mittlere dreistellige Millionenbeträge bereitstellen würden – die sie an anderer Stelle längst verbraten haben. Nun gibt es auch im Bereich ressourcenschonendes und klimafreundliches Bauwesen durchaus noch neues zu entdecken. Allerdings ist es keinesfalls so, dass wir hier am Punkt Null stehen. An vielen Stellen in der Welt forscht man eifrig, ständig machen neue Erkenntnisse die Runde. Würde man all das bislang vorhandene Wissen über ein klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen in der Praxis auch einsetzen, wären wir schon einen großen Schritt weiter. Das Herrnhuter Gymnasium beispielsweise wurde aus ungebrannten Lehmziegeln errichtet – mit einer hervorragenden Ökobilanz. Holz als Baustoff ist seit Jahrhunderten erprobt, neue Technologien haben die Verwendung erleichtert.

Bauen ist eine langfristige Aktivität und angesichts des rasant voranschreitenden Klimawandels können wir nicht erst nach 2050 anfangen, klimaneutral zu bauen, wenn vielleicht die Forschungsergebnisse eines noch in den Sternen stehenden Lausitzer Forschungsinstitutes vorliegen. 
Indes werden die Millionen aus dem Kohleausstieg fleißig verbaut in Kindergärten, Sporthallen, Schulen, die Musikschule und bald auch für das sorbische Wissensforum. Allesamt wider besseres Wissen errichtet aus massivem Stahlbeton, der mit Abstand klimaschädlichsten Bauweise. Über Alternativen hat man offenbar gar nicht erst nachgedacht.

Einzig mögliches Fazit: Im Grunde interessiert das eigentliche Anliegen eines nachhaltigen Bauens die Verantwortlichen in Landkreis und sächsischer Staatsregierung herzlich wenig. Daran würde ganz sicher auch ein gut arbeitendes Forschungszentrum nichts ändern.