05.06.2026 –
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Heute möchte ich Ihnen meine Perspektive näherbringen:
Immer wieder stehe ich als Reservist der Bundeswehr auch an Infoständen zur Verfügung – präsent sein, Fragen beantworten, Gespräche führen. Und fast immer bleiben auch Leute stehen, die mal richtig Dampf ablassen wollen. Und dann kommt fast immer diese eine Frage – selten freundlich, oft provokant, manchmal ehrlich ratlos:
„Wofür sollen wir hier eigentlich kämpfen?“ – oder noch direkter die Aussage: „Für dieses Land würde ich doch nicht sterben wollen!“
Ich habe dieses inzwischen unzählige Male gehört. Und ja, es ärgert mich – und trotzdem ist es wertvoll diese Frage zu stellen. Denn sie zwingt uns, nicht bei Phrasen stehen zu bleiben. Es ist an uns, immer wieder zu bewerten, wofür wir kämpfen und, im äußersten, sterben würden.
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Als Reservist – und als aktiver Soldat war das nicht anders – habe ich mir selbst diese Frage gestellt. Und heute, am 77. Jahrestag unseres Grundgesetzes, möchte ich versuchen, eine Antwort zu geben.
Reservist und Grüner Kommunalpolitiker – zwei Rollen, die manche für einen Widerspruch halten. Ich nicht. Denn beide verpflichten mich zum selben: für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustehen.
Wir kämpfen, wir engagieren uns – wenn es darauf ankommt – nicht für einzelne politische Interessen. Nicht für einzelne Symbole. Nicht bloß für eine Regierung oder eine Partei. Wir kämpfen für eine Idee, eine Rechtskultur. Diese freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Das klingt abstrakt. Ist es aber nicht. Denn die FDGO bedeutet ganz konkrete Dinge in unserem Alltag.
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Sie bedeutet: dass wir heute hier stehen und frei reden dürfen, ohne Angst haben zu müssen vor Konsequenzen, wenn der Regierung unsere Meinung nicht gefällt.
Sie bedeutet: dass Sie morgen eine Zeitung aufschlagen können, die die Regierung kritisiert – ohne dass diese Zeitung verboten wird oder Journalisten dafür bestraft werden.
Sie bedeutet: dass Menschen, die eine andere Meinung haben als ich, trotzdem dieselben Rechte genießen.
Sie bedeutet: dass kein Mensch in Deutschland wegen seiner Herkunft, seines Glaubens oder seiner Hautfarbe schlechter behandelt werden darf.
Sie bedeutet: dass jede Form von Allein- und Gewaltherrschaft sowie die Abschaffung der FDGO selbst ausgeschlossen ist.
Sie bedeutet: das hier kein Putin, Trump oder Xi Jinping an die Macht kommen kann.
All das ist nicht selbstverständlich. Es war nie selbstverständlich. Die Architekten des Grundgesetzes haben gelernt, wie schnell das alles verschwinden kann – als die Weimarer Verfassung an ihrer eigenen Schwäche scheiterte und die folgende Katastrophe über Europa hereinbrach. Deshalb haben sie vor 77 Jahren das Grundgesetz geschrieben – als Lehre aus eben dieser Geschichte.
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Das Soldatengesetz macht das in § 8 zur Dienstpflicht:
„Der Soldat muss die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes anerkennen und durch sein gesamtes Verhalten für ihre Erhaltung eintreten.“
Darauf schwören wir. Das ist kein Lippenbekenntnis – das ist eine rechtliche Pflicht, die mit dem Eid beginnt und im Alltag weitergeht.
Ich bin Reservist, weil ich glaube, dass Freiheit Verantwortung bedeutet. Dass man nicht darauf warten kann, dass andere die Demokratie verteidigen – man muss selbst bereit sein, dafür einzustehen. Aber verteidigen kann man nur, was man kennt. Was man versteht. Was man liebt.
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Und das ist vielleicht die eigentliche Botschaft dieses Tages: Das Grundgesetz ist kein Museumsstück. Es ist ein Werkzeug. Ein Versprechen. Und eine Aufgabe – für jede Generation neu.
Diese Aufgabe ist oft nicht spektakulär. Sie besteht nicht im großen Heldenmut. Sie besteht darin, jeden Tag wach zu bleiben. Hinzuschauen, wenn Grundrechte ausgehöhlt werden. Den Mund aufzumachen, wenn Menschenwürde mit Füßen getreten wird. Zur Wahl zu gehen. Politisch mitzumachen. Werte zu leben und weiterzugeben.
Und hin und wieder auch mal an einem Infostand der Reserve zu stehen und diese Frage zu beantworten.
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Also: Wofür kämpfen wir?
Für das Recht, diese Frage stellen zu dürfen. Für das Recht, unterschiedliche Antworten darauf zu haben. Für eine Gesellschaft, in der niemand schweigen muss, weil er Angst hat.
Für Recht und Demokratie. Freiheit und Vielfalt!
Heute vor 77 Jahren wurde diese Gesellschaft auf ein Fundament gestellt. Dieses Fundament trägt noch – weil Menschen bereit waren und bereit sind, dafür einzustehen.
Ich bin dankbar, in diesem Rechtsstaat zu leben. Und ich bin bereit, meinen Teil als Soldat, Reservist und BÜNDNISGRÜNER dazu beizutragen, dass das so bleibt und demokratisch entwickelt.