BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Bautzen - Budyšin

Grüne fordern bessere Familienpolitik statt "Wertewandel"

20 Punkte um die Familienlust im Landkreis zu heben

23.05.2026 –

Landrat Witschas beklagte kürzlich die fehlende "Familienlust" im Landkreis. Diese wird unter anderem begründet mit einem Wertewandel und damit einhergehend mit dem Übergang von der Pflichterfüllung zur Selbstverwirklichung. 

Selbstverwirklichung ist kein Gegensatz zu Familie. Im Gegenteil: Viele Menschen möchten heute Familie und persönliche Entfaltung miteinander verbinden. Dass Menschen nicht mehr allein aus gesellschaftlichem Druck heraus heiraten oder Kinder bekommen, ist kein moralischer Verfall, sondern Ausdruck von Freiheit und Eigenverantwortung. Der Begriff der „Pflichterfüllung“ ist problematisch. Kinder sollten nicht aus Pflichtgefühl entstehen, sondern aus Überzeugung, Liebe und dem Wunsch, Verantwortung bewusst zu übernehmen. Eine Gesellschaft, die Familien stärken will, sollte deshalb nicht mit nostalgischen Schuldzuweisungen arbeiten, sondern bessere Rahmenbedingungen schaffen.

Als politisch engagierte Eltern und Großeltern haben wir mal unsere 20 Punkte für einen familienfreundlicheren Landkreis zusammengestellt:

  1. Bekenntnis zum Wert von Familien und Wertschätzung von Sorgearbeit.
  2. Ausbau und Verbesserung der medizinischen Versorgung von Kindern in der Fläche.
  3. Erhalt aller Geburtsstationen, damit Frauen wohnortnah und sicher gebären können und junge Familien in die Lausitz ziehen und bleiben.
  4. Kinderbetreuung von der Kita bis zum Ende der Grundschule in einem zeitlichen Rahmen, der Berufstätigkeit für beide Elternteile ermöglicht.
  5. Investition in gute Kita- und Schulgebäude, insbsondere in anständige sanitäre Einrichtungen.
  6. Gute und bezahlbare Betreuung von Kindern mit anständigen Betreuungsschlüsseln, damit das Personal nicht ausbrennt und die Betreuung sicher gestellt werden kann.
  7. Reduktion des Unterrichtsausfalls und Verbesserung der Bildungsangebote.
  8. Ausbau des ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) statt Kürzung sowie ein besseres Radwegenetz, damit sich Kinder freier bewegen können und nicht ausschließlich aufs Elterntaxi angewiesen sind.
  9. Sichere Straßen und Wohnorte für Menschen statt Autos, damit Kinder sich wieder freier bewegen können.
  10. Schutz der Lebensgrundlagen - Boden, Wasser, Luft, Klima - für eine lebenswerte Lausitz auch in der Zukunft.
  11. Soziale Strukturen und kulturelle Angebote aus- statt abbauen. 
  12. Unterstützung von Jugendarbeit in den Kommunen - die zurückgegebenen Fördermittel für das KiJu fehlen hier besonders.
  13. Das Miteinander stärken und Familienzentren einrichten, damit sich Menschen wieder begegnen können.
  14. Erhöhung des Elterngeldes und Vereinfachung des Antrages.
  15. Ausgleich von reduzierten Einkommen, damit Rentenbeiträge durch Kinderbetreuung kompensiert werden können.
  16. Unterstützung von Alleinerziehenden und keine Kürzung des Unterhaltsvorschusses.
  17. Bezahlbaren Wohnraum ermöglichen.
  18. Schließen der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen.
  19. Flexibilisierung des Arbeitsrechts für einfacheren Quer- oder Wiedereinstieg ins Berufsleben.
  20. Vorurteile abbauen gegenüber kleinen Familien und auch großen Familien.

Wer jetzt sagt, vieles davon könne der Landrat nicht beeinflussen, hat sicher recht. Aber er ist Mitglied der Regierungspartei in Sachsen und im Bund. Vielleicht kann er ja doch mal etwas bewirken? Und wer im Landkreis aktuell den Mangel nur noch verwaltet und überall kürzt, statt endlich in Familien zu investieren, sollte sich nicht wundern, wenn Frauen und auch Männer keine Kinder mehr wollen.

 

Maria Untch, Beisitzerin im Vorstand des Kreisverbandes Bautzen-Budyšin dazu:

"In den aktuell unsicheren Zeiten ist es keine Überraschung, dass sich Familien gut überlegen ob sie Kinder in diese Welt setzen wollen. Wer dies ändern will, muss bessere Bedingungen schaffen."

 

"Eine Familiengründung braucht verlässliche finanzielle und soziale Rahmenbedingungen. Es ist die Aufgabe der Politik, diese zu schaffen und nicht einfach einen Wertewandel vorzuschieben.“ ergänzt Nora Egli, Vorsitzende im Kreisverband Bautzen-Budyšin