01.05.2026 –
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
heute stehen wir hier am 1. Mai – dem Tag der Arbeit. Ein Tag der Solidarität, des Zusammenhalts und des unermüdlichen Einsatzes von Generationen, die für faire Arbeitsbedingungen gekämpft haben.
Und es ist auch ein Tag, an dem wir daran erinnern müssen: Viele dieser Kämpfe wurden von Frauen geführt – und viele sind bis heute nicht gewonnen.
Gute Arbeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, gesellschaftlichen Engagements – und mutiger Menschen, die Ungleichheit nicht hinnehmen.
Doch dieser Tag ist nicht nur ein Rückblick. Er ist ein Auftrag.
Denn wir erleben gerade nicht nur Wandel – wir erleben auch eine politische Verschiebung. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz setzt stark auf Marktlogik, auf Flexibilisierung und auf Entlastung von Unternehmen.
Aber wir müssen fragen: Was bedeutet das konkret für Frauen?
Für Frauen, die überdurchschnittlich oft in Teilzeit arbeiten – nicht aus freier Entscheidung, sondern weil Betreuung fehlt.
Für Frauen, die noch immer weniger verdienen als Männer.
Für Frauen, die den Großteil unbezahlter Sorgearbeit leisten.
Für Frauen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten – und trotzdem oft schlecht bezahlt werden.
Wenn Arbeitsmärkte weiter flexibilisiert werden, ohne soziale Leitplanken zu stärken, dann trifft das Frauen zuerst und besonders hart.
Deshalb sagen wir klar: Wirtschaftspolitik ist immer auch Gleichstellungspolitik.
Gerade in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und Klimakrise entscheidet sich, ob alte Ungleichheiten zementiert – oder endlich überwunden werden.
Der Klimawandel verändert unsere Wirtschaft. Und während andere beim Klimaschutz zögern oder ihn verwässern, sagen wir: Der ökologische Umbau kann ein Motor für echte Gleichberechtigung sein.
Gute Arbeit und Klimaschutz gehören zusammen.
Und gute Arbeit für Frauen heißt: sichere Jobs, faire Bezahlung und echte Aufstiegschancen.
Der Ausbau erneuerbarer Energien, nachhaltiger Mobilität und neuer Technologien schafft neue Berufsfelder. Aber wir müssen dafür sorgen, dass Frauen dort nicht wieder unterrepräsentiert sind.
Das bedeutet: gezielte Förderung, bessere Zugänge zu Qualifizierung, mehr Frauen in technischen Berufen – und endlich gleiche Chancen auf Führung.
Denn Gleichstellung passiert nicht von allein. Sie muss politisch gewollt und gestaltet werden.
Aber wir wissen auch: Wandel macht Sorgen.
Und Frauen tragen oft eine doppelte Last – im Beruf und zu Hause. Sie sind es, die Umbrüche abfedern, die Familien organisieren, die einspringen, wenn Systeme nicht funktionieren.
Deshalb darf der Wandel nicht auf ihrem Rücken stattfinden.
Wir brauchen starke Tarifverträge, die auch typische Frauenberufe aufwerten.
Wir brauchen Arbeitszeiten, die zum Leben passen – nicht nur zur Gewinnmaximierung.
Wir brauchen eine Infrastruktur, die Frauen entlastet: gute Kitas, verlässliche Pflege, echte Vereinbarkeit.
Und wir brauchen endlich Lohngerechtigkeit.
Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit ist keine Forderung – es ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Wenn die Regierung von Leistung spricht, dann sagen wir: Die Leistung von Frauen wird seit Jahrzehnten unterschätzt, unterbezahlt und oft unsichtbar gemacht.
Das werden wir nicht länger akzeptieren.
Arbeit ist mehr als Erwerb. Arbeit ist auch Sorgearbeit, ist gesellschaftlicher Zusammenhalt, ist Verantwortung.
Und genau diese Arbeit wird zu oft von Frauen getragen – ohne ausreichende Anerkennung, ohne faire Bezahlung.
Das muss sich ändern.
Auch international stehen Frauen oft am Anfang globaler Lieferketten – unter schlechten Bedingungen, schlecht bezahlt, ohne Schutz.
Deshalb kämpfen wir für faire Lieferketten und globale Gerechtigkeit. Unsere Verantwortung endet nicht an nationalen Grenzen.
Und wenn wir über die Zukunft der Arbeit sprechen – über KI, Automatisierung, neue Arbeitsmodelle – dann gilt: Diese Zukunft muss eine gerechte sein.
Eine Zukunft, in der Frauen nicht wieder die Verliererinnen sind, sondern gleichberechtigt profitieren.
Der 1. Mai erinnert uns: Fortschritt wird erkämpft.
Und viele der größten Fortschritte in der Arbeitswelt wurden von Frauen erstritten – gegen Widerstände, gegen Ungleichheit, gegen Ignoranz.
Diesen Kampf führen wir weiter.
Für eine Arbeitswelt, die Frauen nicht benachteiligt, sondern stärkt.
Für eine Wirtschaft, die nicht auf Kosten von Gleichberechtigung funktioniert.
Für eine Gesellschaft, in der Care-Arbeit sichtbar, gerecht verteilt und anerkannt ist.
Denn am Ende geht es um mehr als Arbeit.
Es geht um ein gutes Leben für alle – und das heißt: ein gleichberechtigtes Leben.
In diesem Sinne: Einen solidarischen, kämpferischen und feministischen 1. Mai!
Vielen Dank.